« Chez Mamie » – Eröffnung eines Ladens in Sion, der darauf ausgerichtet ist, keinen Abfall zu erzeugen

Durch unsere Aktivitäten und Kontakte im Rahmen des Vereins ZeroWaste Switzerland haben wir festgestellt, dass es eine beachtliche Menge Schweizerinnen/Schweizer gibt, welche gerne das Abenteuer starten würden, einen Laden zu eröffnen, der den verpackungsfreien Verkauf unterstützt.

Vor kurzem durften wir Olivier und Eslyne interviewen, die kurz vor der Eröffnung ihres Offenverkauf-Bioladens in der Region von Sion stehen. Sie haben uns ihr Konzept erklärt und wir haben über ihre künftigen Projekte gesprochen.

Wir haben die Gelegenheit genutzt und ihnen einige Fragen über die Schwierigkeiten eines solchen Projektes gestellt. Am schwierigsten gestaltet sich demnach die Suche nach Kapital und oft auch nach Lieferanten, welche die Vorbedingungen « ohne Verpackung » unterstützen.

Sie haben vor kurzem die Eröffnung von ihrem Unverpackt-Laden in Sion « Chez Mamie, bio – vrac » bekanntgegeben. In dieses Projekt haben sie 5 Jahre harte Arbeit gesteckt, wovon 3 Jahre in die Suche der Lieferanten und Investoren geflossen sind.

 

Würden sie uns das Konzept dieses Ladens und deren Besonderheiten erklären?

« Chez Mamie » soll ein Ort der Begegnung sein und sie sollen dort ihre trockenen Lebensmittel, Reinigungsprodukte sowie Hygieneprodukte unverpackt einkaufen können.

Behälter sind vor Ort erhältlich: Glasflaschen, Gläser mit Bügelverschluss oder Stoffbeutel (in verschiedenen Grössen, einfarbig oder bunt). Sie werden damit ihre Freude haben. Sie werden sie bei ihren weiteren Einkäufen ohne Plastik ein Leben lang begleiten und sie werden ihre Küche wunderbar dekorieren.

Im hinteren Teil des Geschäfts wird ebenfalls eine Küche für Workshops zur Verfügung stehen. Kommen sie und geniessen sie einen gemütlichen Moment mit Backwaren und leckeren Süssigkeiten bei einem Treffen mit ihren Freunden oder zu einem Geburtstag … mit den Produkten direkt aus dem Laden.

Unsere Catering-Angebote, welche wir bereits zuvor angeboten haben, werden wir auch weiterhin anbieten. Wir bieten ebenfalls ein Coaching vor Ort an. « Mit weniger besser leben » spricht sie dieses Motto an? Wir helfen ihnen, das Leben zu vereinfachen – denn schlussendlich haben wir nur das eine.

Welche Produkte werden wir bei « Chez Mamie » finden?

Bei den Lebensmitteln : Mehl, Reis, Kerne, Hülsenfrüchte, Trockenfrüchte, Kaffee, Kakao, Gewürze, Öle,….

Reinigungsprodukte: Weisser Essig, Bicarbonat (Natron), Scheuerbürste…

Körperpflege : Seife, Trocken-Shampoo, Deo, Menstruationstasse, Zahnbürste, Wattepads, feuchte Reinigungstücher für Kleinkinder,….

Sie haben sich für das Vorgehen « vollkommen unverpackt » entschieden, da sogar die primären Verpackungen weggelassen wurden! Welches waren die grössten Schwierigkeiten, die sie bei der Umsetzung ihres Projektes angetroffen haben?

Die Zusammenarbeit mit den lokalen Produzenten hat uns die Realität vor Augen geführt. Leider haben es viele nicht begrüsst unter diesen Bedingungen mitzumachen. Aber wir sind in einem Prozess der kontinuierlichen Verbesserung und wir verlieren die Hoffnung andere neue Partner zu finden, die bewusst ein Zeichen für diesen Planeten setzen wollen, nicht.

Viele Schweizerinnen/Schweizer würden sich gerne in das Abenteuer stürzen und einen Lebensmittelladen ohne Verpackung eröffnen. Welches wären nach ihrer persönlichen Erfahrung die wichtigsten Schritte, die man dazu verfolgen müsste?

Wir haben tatsächlich zahlreiche Äusserungen von Schweizerinnen/Schweizern, welche ein Geschäft wie unseres eröffnen würden.

Der wichtigste Schritt wäre zu Hause bereits auf einem ZeroWaste-Weg zu sein. Denn es geht hier nicht nur um ein Geschäft und eine Anstellung sondern auch um eine umfassende Lebensphilosophie.

Bei den herrschenden Markpreisen für Geschäftslokale einen geeigneten Standort zu finden ist nicht selbstverständlich…

Dabei muss beachtet werden, dass es sich um ein Lebensmittelgeschäft handelt und die Margen sehr niedrig sind. Es ist daher empfehlenswert das Angebot zu erweitern, wie wir dies beispielsweise mit unseren Kochkursen oder dem Catering machen.

Ist nach ihrer Meinung die Suche nach Investoren bei einer solchen Aktion der grösste Hemmschuh? Welches wären die Faktoren, die diesen Prozess aus ihrer Sicht vereinfachen würden?

Ein solches Geschäft zu eröffnen, ist verbunden mit einem beachtlichen finanziellen Einsatz. Jeder muss auf seine Weise sein eigenes Kapital finden.

Das Geschäft « Chez Mamie » wird seine Türen am kommenden 17. Mai in Sion eröffnen und zeigt ihr tiefes Engagement zu ZeroWaste. Sind noch weitere Projekt in Aussicht?

Selbstverständlich ! Wir haben viele Projekte!

Darunter ist eines um in unserer Gemeinde auf Schulanfang 2017 eine Bio-Schulkantine mit regionalen Produkten und ohne Verpackung bereit zu stellen.

Oder auch jenes, unser Konzept im Franchising-Modell in andere schweizer Kantone zu verbreiten, um die Eröffnung eines Geschäftes dieser Art zu vereinfachen, indem man von unseren Netzwerk wie auch von unserer Erfahrung profitiert.

ZeroWaste Switzerland wünscht « Chez Mamie Bio-Vrac » für ihre Geschäftseröffnung am kommenden 17. Mai alles Gute!

Rue de la Drague, Econopôle, Sion

www.chezmamiebiovrac.com