Recycling Paradies Hunzenschwil

Ein herzliches Willkommen!

Pünktlich um 9 Uhr morgens öffnet das Recyclingparadies in Hunzenschwil seine Türen. Der Andrang ist schon gross und einer der freundlichen Mitarbeiter steht bereit, für jeden Kunden, der sich verloren am Kopf kratzt oder überfordert die grossen Schautafeln über den Kleincontainern absucht um Dinge wie Elektrogeräte, Kaffeekapseln und vieles, vieles mehr zu finden und fachgerecht zu entsorgen.

Einer dieser Mitarbeiter hatte sich auch dazu bereit erklärt mir einen kleinen Einblick hinter die Kulissen zu bieten. Eigentlich aus der Ingenieursbranche wurde aus einem Nebenverdienst im Recycling-Paradies schnell mehr- es habe ihn einfach gepackt, meint der freundliche Mann und strahlt über das ganze Gesicht. Mittlerweile möchte er ausschliesslich hier arbeiten und bereitet sich auf den Lehrgang Recyclist EFZ vor. Es mache ihm schlicht und einfach Freude mit den verschiedensten Menschen in Kontakt zu treten, seinen Teil beizutragen um das Verständnis für richtiges Recyclen zu fördern und die Leute zu sensibilisieren. Er selbst lebt in einem Single – Haushalt und bemerkte die Veränderungen, die seine zweite Arbeitsstelle bei ihm selbst bewirkte, recht schnell. Plötzlich begann er darüber nachzudenken wieso er eigentlich jeden Tag einen neuen Plastiksack beim Einkaufen brauchte anstatt einfach denselben  Plastiksack immer wieder mitzunehmen. Mit den Erfahrungen im täglichen Beruf als Mitarbeiter des Recyclingparadieses Hunzenschwil setzte auch bei ihm ein Umdenken ein.

Er erzählt mir auch, dass man an einem normalen Tag die kleinen Einzelcontainer für die separierten Materialien bis zu zweimal austauschen muss, zu Höchstzeiten wie etwa an einem Samstag passiert dies aber sogar bis zu 4 Mal. Mit einem Fassungsvermögen von 2-3 Kubikmeter können sie je nach Material bis zu 2000 Kilogramm wiegen.

Jeder Teil ergibt ein Ganzes

Neben den gängigen Materialien wie Altglas, Altpapier, Karton, Metall oder Kunststoff findet man von Grünabfall über Kabel, Fahrräder, Batterien auch Kleidung, Bauschutt, Elektrogeräte wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler, Fernseher, Lampen und auch Steinschutt sowie Holz. Mit einer separaten 18 Meter langen Camion-Waage im Aussenbereich, direkt neben der Halle, haben sogar grössere Firmen die Möglichkeit bequem vorzufahren, ihr Transportmittel mitsamt Inhalt zu wiegen, danach alles zu entsorgen und die Differenz des Transportmittelgewichts abzuziehen. So kann jedes Mikro oder Klein- und Mittelunternehmen verantwortungsvoll mit Rest- und Abfallbeständen umgehen und den Beitrag leisten, der notwendig ist um unser in Mitleidenschaft gezogenes Ökosystem zu schützen. Erstaunlich eindrücklich sind die partnerschaftlichen Kooperationen, die den Recyclinghof mit diversen anderen Firmen verbindet. Es gibt Unternehmen, die den Steinschutt als Unterlage für neue Betonstrassen beziehen, Firmen, die den Grünabfall abholen und diesen umwandeln damit am Ende wieder Hummus, also fruchtbare Erde, daraus werden kann. Bei Kleidung, Kinderspielsachen oder Fahrrädern setzt sich die Geschäftsführerin Karin Bertschi dafür ein, dass eine Auswahl der am besten erhaltenen, abgegebenen Produkte an Kinder in den europäischen Osten transportiert werden.

Ihr Kinderlein kommet!

Sogar ein eigenes Kinderparadies gibt es im Recyclingparadies- offen zugänglich für die kleinsten Besucher. Die Wartezeit bis Mama oder Papa alles entsorgt haben, verkürzt sich rasant wenn man im sicheren Seitenbereich der Halle auf Holzschnitzen spielen, lesen oder so richtig toben kann. Und auch Schulklassen sind gerne gesehen und herzlich Willkommen. Mit spielerischen Aufgaben werden schon die Kleinsten über die Wichtigkeit des Recyclings aufgeklärt, dürfen selbst Materialien, Verpackungen und Geräte anfassen und dann entscheiden wie es entsorgt wird.

Die Kinder seien beinahe schon fitter im Entsorgen als die Erwachsenen, wird mir erzählt. Am Ende gibt es noch einen Kaffee, obwohl für diesen kaum Zeit bleibt denn schon ist ein grosser LKW angefahren um die tagtägliche Abholung des Altkartons zu tätigen, auch er kommt manchmal zweimal am Tag und fasst 7000 Liter/KG.

Bis bald im Recycling – Paradies!

Mit ein paar herzlichen Worten und einem freudigen Blick werde ich verabschiedet denn Recycling schläft nie. Was mir bleibt sind die Eindrücke eines Recyclingparadieses. Denn so viel Gutes wie hier jeden Tag getan wird begegnet man selten- von der Sensibilisierung bis zur Förderung für das Verständnis von unserem Konsumverhalten und dem daraus resultierenden Abfall, von Jung bis Alt, von der Inhaberin bis zum Mitarbeiter- hier sieht jeder im Recycling die Lösung der Zukunft, hier zeigt jeder, dass es möglich ist für alles eine Lösung zu finden und auch finden zu müssen. Und sogar Kunst darf man betrachten- von der Künstlerin Christa Müller, die aus Abfallprodukten schöne Dekorationsartikel fertigt.

Sechs Tage die Woche kann man hier seine Abfallstoffe, die man nicht reparieren oder wieder verwenden kann, deponieren und damit spürbar Gutes tun. Die entspannte Atmosphäre, die zuvorkommenden Mitarbeiter und die erstaunlichen Fakten, die einem hier bei Interesse vermittelt werden – all das macht das Recycling – Paradies zu einem wunderbaren Ort des Austauschs, Wissens und fachgerechten Anlaufstelle für Entsorgung.

Autor: Nadine Almer

Im Auftrag des Verbands ZeroWaste Switzerland

In Zusammenarbeit mit Recycling – Paradies Hunzenschwil

Mit bestem Dank an Karin Bertschi, Geschäftsführerin Recycling – Paradies