Elly

Botschafterin – Ostschweiz
Elly

Begonnen hat es beim monatlichen englischen Buchklubtreffen, in den Toggenburger Alpen, wo sie lebt. Sie sprach mit einem Freund, der gerade das Buch “Zero Waste Home” von Bea Johnson gelesen hatte. Das Gespräch weckte etwas in ihr – etwas, das nicht neu war -, aber eine Glut, die seit ihrer Kindheit in ihr brannte. Als sie in dieser Nacht nach Hause kam, konnte sie nicht anders, als weiter zu forschen…. und so begann ihre Geschichte.

Eigentlich begann die Geschichte viel früher. Sie wurde in Persien geboren, von wo aus ihre Familie im Alter von 11 Jahren zur Flucht gezwungen wurde. Ihre Erinnerungen an das Leben dort waren bereits mit den Null-Verschwendung Prinzipien verbunden – sie wusste nur nicht, dass es einen Namen hatte. Die politische Situation im Iran bedeutete, dass Plastik in ihrem Haus nicht erlaubt war. Die Unterstützung des Regimes, das Öl an internationale Unternehmen zur Kunststoffproduktion verkaufte, das den Menschen des Landes keinen Nutzen brachte, sollte innerhalb ihrer Familie nicht aus Prinzip toleriert werden. Ein plastikfreies Zuhause zu haben, war alles, was sie wusste.

In den nächsten drei Jahren lebten sie in Athen, Istanbul und Sofia, bevor sie sich in Zürich niederließen. Ihre Situation bedeutete, dass sie “Null Verschwendung” aus der Not und nicht aus freien Stücken lebten. Die Ressourcen waren begrenzt. Kleidung wurde genäht, Lebensmittel wurden angebaut und nicht verschwendet, hausgemachte Alternativen wurden nach Möglichkeit hergestellt.

Fähigkeiten, Werte und Prinzipien, die in diesen prägenden Jahren über den Einsatz begrenzter Ressourcen gelernt wurden, haben sie nie verlassen.

Die harte Arbeit in der Schule gab ihr die Wahl, als es an der Zeit war, ihre Karriere zu wählen. Ihre Kindheitserfahrung bedeutete, dass Job und finanzielle Sicherheit wichtig waren. Neben ihrer Liebe zur Geschichte und zu Sprachen entschied sie sich für eine Informatikkarriere und war bald erfolgreich in der Unternehmenswelt tätig, mit einem stetigen Einkommen und der Sicherheit, die sie sich gewünscht hatte.

In diesen Jahren bauten ihr Mann und sie ihr Zuhause im Toggenburg, einer Region mit viel Natur, Schweizer Tradition und einem Lebensstil, der es ihnen ermöglichte, eine optimale Work-Life-Balance zu erreichen. Die Prinzipien des Einfallsreichtums, des Umgangs mit der Umwelt und ihrer Gesundheit waren bei der Gestaltung ihres Lebens hier stets präsent. Möbel und Haushaltswaren wurden von Brockis und Antiquitätenmärkten kuratiert, die Renovierung wurde über den Abriss und den Neubau gestellt, Gemüsegärten wurden angelegt und lokale Handwerker und Lieferanten für den täglichen Bedarf gesucht.

Es war Juli 2017, als sie dieses Buchklubtreffen hatten. In der gleichen Woche war sie Gastgeberin einer Irish Folk Band, die bei ihnen für einen lokalen Auftritt zu Gast war – sie waren alle Veganer, also recherchierte sie und hatte sich einen veganen Mahlzeitenplan für das Wochenende ausgedacht.

Es war, als hätten sich die Sterne ausgerichtet.

Nachdem sie über den veganen Lebensstil und parallel dazu die Zero Waste Bewegung informiert worden war, war es nur noch eine Frage von Wochen, bis ihr Leben eine Wendung genommen hatte.

Die Prinzipien beider Lebensstile entfachten etwas in ihr, das geschlafen hatte. Sie suchte nach ihrer Vergangenheit – Stunden mit ihrer Mutter und Großmutter, die Essen von Grund auf zubereiten, Kleidung und Hausmittel herstellen, nach plastischen Alternativen suchen und bessere Möglichkeiten finden, ihre reichlichen Ressourcen zu nutzen. Der Wechsel war nicht so schwer – es war einfach eine Rückkehr in ihre Vergangenheit.

Ihre Freizeit ist gefüllt mit dem Besuch lokaler Märkte, dem Einkaufen in Zero Waste Stores, dem Erlernen von Nähen und Quilten und der Herstellung eigener Kosmetika, Naturheilmittel und Reinigungsprodukte – ganz zu schweigen von der Pflege ihres reichlich vorhandenen Kräutergartens.

Ihre Rolle als Botschafterin von ZeroWaste Switzerland wird dazu beitragen, ihr Ziel zu erreichen, die Zero Waste Lifestyle-Grundsätze in diese schöne Region des Toggenburgs zu bringen. Es geht darum, ein Vorbild zu sein, Fähigkeiten und Wissen zu teilen und das Bewusstsein zu schärfen. Es ist ihr eine Ehre, diese Verantwortung zu tragen.