Lebensmittelverschwendung in der Schweiz und weltweit
Lebensmittelverschwendung oder Food Waste bezeichnet alle produzierten Lebensmittel, die nicht verzehrt werden (UNEP, 2025b). Laut einem Bericht der UNEP (2024a) «wurden weltweit im Jahr 2022 täglich mehr als eine Milliarde Mahlzeiten verschwendet».
Lebensmittelverschwendung bringt zahlreiche ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich. Aus ökologischer Sicht führt sie zur unnötigen Entnahme und Nutzung natürlicher Ressourcen wie landwirtschaftlicher Flächen und Wasser (MTES, 2025). Lebensmittelverschwendung ist zudem für 8 bis 10 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich und trägt zum Verlust der biologischen Vielfalt bei, der insbesondere durch die Zerstörung von Lebensräumen durch intensive Landwirtschaft verursacht wird. Zu den Lebensmitteln mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt zählen beispielsweise Kakao, Kaffee und Rindfleisch, da für ihre Produktion und ihren Transport erhebliche Ressourcen benötigt werden. Früchte und Gemüse haben einen geringeren ökologischen Fussabdruck. Die Verschwendung dieser Lebensmittel hat jedoch aufgrund der enormen Mengen, die weggeworfen werden, erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt (BAFU, 2025b). Nahrungsmittelverluste haben auch wirtschaftliche Auswirkungen und verursachen weltweit erhebliche Kosten, welche auf 1’000 Milliarden Dollar geschätzt werden. Sie beinhalten den kumulierten Verlust aller investierten Ressourcen – Wasser, Energie, Arbeitskräfte, Transport, Verpackung –, die für die Produktion, Verarbeitung und den Vertrieb der Lebensmittel aufgewendet wurden – welche jedoch letztlich nicht verzehrt werden (UNEP, 2024a; UNEP, 2024b). Aus gesellschaftlicher Sicht hängt diese Problematik eng mit dem Thema Ernährungsunsicherheit zusammen, wovon ein Drittel der weltweiten Bevölkerung betroffen ist. (UNEP, 2024a).
«Lebensmittelverschwendung verursacht genauso viel Umweltbelastung wie die Hälfte aller Autofahrten in der Schweiz» (Schöni & Ammann, 2025)
Die Hauptverursacher von Lebensmittelverschwendung sind die privaten Haushalte (UNEP, 2024b). In der Schweiz «verschwenden die Haushalte durchschnittlich fast 90 kg Lebensmittel pro Person und Jahr» (Schöni & Ammann, 2025), was fast 35 % des gesamten Nahrungsmittelverlusts entspricht. Auf die Haushalte folgen in absteigender Reihenfolge die verarbeitende Industrie (29 %), die Landwirtschaft (14 %), die Gastronomie (13 %) sowie der Gross- und Detailhandel (9 %) (BAFU, 2025b). Im Jahr 2024 beliefen sich die in der Schweiz und im Ausland verursachten Nahrungsmittelverluste auf «310 kg pro Person und Jahr», was einem Rückgang von 5 % gegenüber 2017 entspricht (BAFU, 2025b). Es ist somit eine leichte Verbesserung festzustellen.
Aktionsplan des Bundesrats
Der Bundesrat engagiert sich auf nationaler Ebene im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Der 2022 verabschiedete Aktionsplan hat zum Ziel, die Lebensmittelverluste zwischen 2017 und 2030 zu halbieren. Zu diesem Zweck hat der Bundesrat eine Vereinbarung mit verschiedenen Akteuren der Lebensmittelbranche geschlossen, darunter Unternehmen und Organisationen (BAFU, 2025a). Eine Zwischenbilanz dieses Plans wurde 2025 von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) erstellt und zeigt, dass die Schweiz weit hinterherhinkt. Als Zwischenziel galt eine Reduzierung um 25 % bis 2025, tatsächlich wurden jedoch nur etwa 5 % erreicht (Beretta et al., 2025).
Im Jahr 2026 muss der Bundesrat die Massnahmen der zweiten Phase des Aktionsplans festlegen, um das Ziel die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu senken, so gut wie möglich zu erreichen. Insbesondere müssen die Haushalte stärker sensibilisiert und die Datenerfassung verbessert werden (BAFU, 2025a).
Individuelles Handeln
Bei den privaten Haushalten gibt es ein enormes Verbesserungspotential: Wenn jeder Einzelne die Lebensmittelverluste um einige Prozent reduziert, kann dies insgesamt zu einer erheblichen Einsparung führen. Dies hat auch einen weiteren Vorteil:
In der Schweiz werden die finanziellen Verluste durch weggeworfene Lebensmittel auf etwa 600 CHF pro Person und Jahr geschätzt (BAFU, 2024).
Aktionen des Lebensmitteleinzelhandels verleiten Privatpersonen dazu, Lebensmittel zu kaufen, die sie nicht wirklich benötigen. Diese Preisnachlässe veranlassen die Haushalte unbewusst dazu, grössere Mengen an Lebensmitteln zu kaufen, als sie normalerweise verbrauchen.
Laut Schöni & Ammann (2025) lässt sich Lebensmittelverschwendung durch verschiedene Massnahmen auf individueller Ebene reduzieren, wie beispielsweise durch die Planung von Menüs, die Zubereitung von Mahlzeiten aus Resten und das Erstellen einer Einkaufsliste unter Berücksichtigung der Anzahl der wöchentlichen Mahlzeiten, um nur das zu kaufen, was tatsächlich benötigt wird.
Eine weitere Möglichkeit, Nahrungsmittelverluste in Haushalten zu reduzieren, betrifft die Lagerung von Lebensmitteln. Diese müssen ordnungsgemäss gelagert werden, um ihren Verderb zu begrenzen. Die Menschen sollten zudem lernen, essbare Abfälle wie Schalen, Blätter und Wurzeln von Gemüse, die oft direkt im Müll landen, sinnvoll zu verwerten (Schöni & Ammann, 2025).
Auch das Kaufverhalten der Menschen wirkt sich auf die Lebensmittelverschwendung aus. Laut Xiao, Jiang & Cao (2023) trägt die Ablehnung von Früchten und Gemüse durch die Konsumentinnen und Konsumenten, deren Aussehen nicht den ästhetischen Normen entspricht, zur Lebensmittelverschwendung bei. Dieses ästhetische Vorurteil muss daher bekämpft werden. Derzeit entwickeln in der Schweiz einige wichtige Akteure des Lebensmitteleinzelhandels erste Strategien, um diesem Trend entgegenzuwirken. So startete die Migros beispielsweise 2026 die Initiative „Save Food“, um Schweizer Früchte und Gemüse mit unregelmässigen Formen und Grössen zu fördern und so der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken (Migros, 2026). Im Jahr 2025 startete Coop eine ähnliche Initiative unter dem Namen „Nice to Save Food“, um Lebensmittel anzubieten, die aus zuvor ungenutzten Nebenprodukten hergestellt wurden (Coop, 2025).
Wie die Fédération romande des consommateurs (FRC, 2023) jedoch betont, spielt die Vermarktung von „hässlichen“ Früchen und Gemüse im Einzelhandel trotz dieser Initiativen nach wie vor nur eine marginale Rolle. Die aktuellen Konsumgewohnheiten und ästhetischen Normen schränken deren Präsenz in den Regalen weiterhin ein, was den Kampf gegen Lebensmittelverschwendung zu einem schwierigen Unterfangen macht. Es sind daher zusätzliche Anstrengungen sowohl bei der Sensibilisierung der Verbraucher*innen als auch im Einzelhandel erforderlich, um die Wirksamkeit dieser Initiativen zu verbessern.
In Frankreich bewerben Initiativen, wie die von 20 Minutes (2023) beschriebene, „hässliche“ Früchte und Gemüse der Saison, und verkaufen diese zu einem günstigeren Preis, ohne Verpackung in Körben. Diese Vorgehensweise reduziert nicht nur die Lebensmittelverschwendung, sondern verringert auch die Verpackungsabfälle und die die negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Diese Art von Initiative veranschaulicht das Zero-Waste-Prinzip, das darauf abzielt, Abfall in allen Phasen der Produktion und des Konsums zu minimieren. Eine Einführung in der Schweiz könnte dazu beitragen, Haushalte zu sensibilisieren und einen nachhaltigeren Konsum zu fördern.
Die Haushalte spielen bei der Reduzierung von Lebensmittelabfällen eine wichtige Rolle: durch die Umstellung auf nachhaltige Alltagsgewohnheiten, die Verwertung essbarer Abfälle und die Änderung des Kaufverhaltens sowie der Kaufentscheidungen. Dabei sollten die Haushalte darauf achten, ihre ästhetischen Vorurteile bezüglich des Aussehens der Produkte zu überwinden.
Fazit
Lebensmittelverschwendung stellt sowohl in der Schweiz als auch anderswo eine grosse Herausforderung für Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft dar. Trotz staatlicher Massnahmen und des nationalen Aktionsplans reichen die Ergebnisse nicht aus, um die bis 2030 festgelegten Ziele zu erreichen. In den privaten Haushalten können einfache Massnahmen wie die Planung von Mahlzeiten, die richtige Lagerung von Lebensmitteln und die Verwertung von Resten einen erheblichen Beitrag leisten. Die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung kommt somit sowohl der Umwelt als auch dem Geldbeutel zugute: So könnte beispielsweise ein 4-Personen-Haushalt, der seine Lebensmittelverschwendung um die Hälfte reduziert, jährlich 1’200 CHF einsparen und gleichzeitig die Menge an weggeworfenen Lebensmitteln um 180 kg verringern – das entspricht etwa 8 gefüllten Einkaufswagen. Eine Koordinierung der Massnahmen von Behörden, Unternehmen und Konsumentinnen und Konsumenten ist daher unerlässlich, um Lebensmittelverluste und deren ökologische, soziale und wirtschaftliche Folgen zu verringern.
Referenzen
Beretta, C., et al. (2025). Monitoring der Lebensmittelverluste in der Schweiz: Zwischenstandsbericht 2025. ZHAW Wädenswil.
Coop. (2025). Coop lanciert eine neue Eigenmarke für Produkte aus Nebenströmen. Coop.ch. https://www.coop.ch/fr/entreprise/medias/communiques-de-presse/2025/coop-lance-une-nouvelle-marque-propre-pour-des-produits-issus-de-flux-secondaires.html
Fédération romande des consommateurs (FRC). (2023). Ein von vornherein verlorener Kampf. FRC. https://www.frc.ch/bataille-perdue-davance
Michaela Schöni & Ammann, J. (2025). Ein Leitfaden zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung in Haushalten. Agroscope. https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/fr/home/actualite/newsroom/2025/10-14_leitfaden-lebensmittelverluste.html
Migros. (2026). Migros lanciert «Save Food»: gegen Lebensmittelverschwendung bei Schweizer Obst und Gemüse. Corporate.migros.ch. https://corporate.migros.ch/fr/news/migros-lance-save-food-contre-le-gaspillage-alimentaire-pour-les-fruits-et-legumes-suisses
Ministère de la Transition écologique et de la Cohésion des territoires (MTES). (2025, 10. November). Lebensmittelverschwendung. https://www.ecologie.gouv.fr/politiques-publiques/gaspillage-alimentaire
Bundesamt für Umwelt (BAFU). (2024). Umwelt: Ernährung – Wie lässt sich Lebensmittelverschwendung vermeiden (Mag. 4/2024) [PDF]. https://www.bafu.admin.ch/dam/…/magazin-2024-4.pdf
Bundesamt für Umwelt (BAFU). (2025a, 14. Oktober). Aktionsplan gegen Lebensmittelverschwendung: Bundesrat Albert Rösti trifft Akteure der Lebensmittelindustrie. https://www.bafu.admin.ch/fr/newnsb/2cgDBxZVE7GVyuIu-gy1B
Bundesamt für Umwelt (BAFU). (2025b). Lebensmittelverluste. https://www.bafu.admin.ch/fr/pertes-alimentaires
United Nations Environment Programme (UNEP). (2024a). UN-Bericht zum Lebensmittelverschwendungsindex: Die Welt verschwendet mehr als eine Milliarde Mahlzeiten pro Tag. https://www.unep.org/fr/actualites-et-recits/communique-de-presse/rapport-de-lonu-sur-lindice-de-gaspillage-alimentaire-le
United Nations Environment Programme (UNEP). (2024b). UN-Bericht zum Lebensmittelverschwendungsindex 2024: Zentrale Botschaften. https://wedocs.unep.org/items/ca5ae07a-826c-42bb-b148-3bc4e08deab7
United Nations Environment Programme (UNEP). (2024c). Bericht 2024 zum Lebensmittelverschwendungsindex. https://www.unep.org/fr/resources/publications/rapport-2024-sur-lindice-de-gaspillage-alimentaire
Xiao, Jiang & Cao. (2023). Die Schönheit der Unvollkommenheit: Wie Natürlichkeitshinweise die Präferenzen der Konsumenten für «unperfekte» Produkte beeinflussen und Lebensmittelverschwendung reduzieren. https://www.frontiersin.org/journals/sustainable-food-systems/articles/10.3389/fsufs.2023.1313814/
20 Minutes. (2023). «Unschöne» Früchte und Gemüse werden hervorgehoben. https://www.20min.ch/fr/story/des-fruits-et-des-legumes-pas-jolis-sont-mis-en-avant-431543171426
Für weitere Informationen
Foodwaste.ch. (o. J.). Wie lange sind Lebensmittel haltbar? https://foodwaste.ch/fr/infos/verifie-la-duree-de-conservation/
United Nations Environment Programme (UNEP). (2024c). Bericht 2024 zum Lebensmittelverschwendungsindex. https://www.unep.org/fr/resources/publications/rapport-2024-sur-lindice-de-gaspillage-alimentaire
Weitere Informationen zur Lagerung und zum Konsum einzelner Lebensmittel finden sich bei Schöni & Ammann (2025).
Das «Lebensmittelabfall-Tagebuch» ist ein Instrument zur Quantifizierung von Abfällen auf Haushaltsebene. Für die Anwendung kann auf Schöni & Ammann (2025) verwiesen werden.
ZeroWaste Switzerland. Leitfaden: Wie lässt sich Lebensmittelverschwendung vermeiden? https://zerowasteswitzerland.ch/nos-outils/guides/guide-stop-foodwaste/